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Bärenmacher(in) des Monats November 2010:

Marion Krauskopf (Majon-Bär: Bären mit Seele)


Bitte stellen Sie sich und Ihre Bären mit eigenen Worten vor.
Ich lebe mit meinem Mann und unserem Hund Ronja weit oben im Norden Deutschlands, im Land der Horizonte, dem wunderschönen Schleswig-Holstein. Seit vielen Jahren betreibe ich die Bärenmacherei, viele Jahre davon professionell. Dann gab es eine Zeit, wo die Bären in den Hintergrund traten und ich mich beruflich sehr engagierte. Es entstanden in dieser Zeit nur sehr wenige Bären, meist nach Lust und Laune, aber immer mit ganzem Herzen.

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

Wann haben Sie mit dem Bärenmachen begonnen und was war der Anlass dafür?
Im Sommer 1997 fand ich beim Aufräumen unseres Spitzbodens meinen Teddybären aus Kindertagen. Eigentlich sah er für seine 39 Jahre noch sehr gut aus. Lediglich am Bauch leicht kahle Stellen und an Händen und Füssen waren Löcher im Filz und die Holzwolle trat hervor.
  Im Jahr 2008 musste ich meinen Beruf als Krankenschwester aus gesundheitlichen Gründen schweren Herzens aufgeben. Nun hatte ich auf einmal viel, zuviel Zeit. Ich probierte alles mögliche aus: Patchwork, Rebornbabys etc. Aber nichts füllte mich so wirklich aus. Anfang 2010 habe ich wieder vermehrt mit dem Bärenmachen angefangen und nun hat mich der Bärenvirus wieder voll im Griff. Meine Bären sind meistens Einzelstücke, ab und an entstehen Kleinstserien. Meistens sind sie nur wenig bekleidet, damit sie so richtig Bär sein können, manchmal auch mit Hose oder Kleidchen. Meine Bären tragen den Namen: Majon-Bär – Bären mit Seele. Diesen Zusatz haben sie erhalten, da mir viele Bärenliebhaber auf Ausstellungen immer wieder sagten: „also Ihre Bären sehen so aus, als haben sie eine Seele“.

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

Ich habe dann versucht, ihn an Händen und Füssen mit neuem Filz zu reparieren, alles recht unprofessionell, aber der Teddy war wieder heil und er zog dann zu uns ins Wohnzimmer. Irgendwie war meine Neugierde geweckt. Der Gedanke selbst einen Bären herzustellen war geboren. Zu der damaligen Zeit war es recht schwierig, an Material heranzukommen. Ich kaufte mir eine Bären-
zeitschrift und was ich da so alles an Bären sah, ließ mein Herz höher schlagen. Ich fand dort auch
die Anzeige einer Bärenmacherin, die Bastelpackungen anbot und dort bestellte ich mir eine.

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär
  Können Sie sich noch Ihren ersten, selbst genähten Teddy erinnern?
Aber sicher, welcher Bärenmacher könnte das nicht! Er entstand aus der besagten Bastelpackung. Er heißt Philipp und ich habe ihn immer noch. Für den ersten Bären ist er sogar recht gut gelungen, lediglich die Gelenke müssten etwas fester sitzen. Und auch die Nase würde ich heute ganz anders sticken. Kaum war der erste Bär fertig, kamen die nächsten Bastelpackungen ins Haus, der Bärenvirus hatte mich voll erwischt.

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

Wieviele eigene Schnitte haben Sie schon ungefähr entworfen?
Das ist keine leichte Frage! Wenn ich ganz ehrlich bin, ich weiß es nicht. Wenn ich schätzen soll: 150-200. Zu Anfang habe ich ca. 9 Monate nach Fremdschnitten gearbeitet, aber das wurde dann doch langweilig. Und so fing ich an, die Schnitte abzuändern. Seit Ende 1998 arbeite ich nur noch nach eigenen Schnitten.

Mit welchen Größen und Materialien arbeiten Sie am liebsten?
Meine bevorzugte Größe liegt zwischen 20 und 40 cm, selten entstehen Bären in einer anderen Größe.

Als Material verwende ich meistens Mohair und Alpaka der Firma Steiff-Schulte-Mohair, ab und zu Hembold-Mohair. Als Pfotenstoff bevorzuge ich Cashmere, Filz, selbst eingefärbten Leinenstoff oder einfach rasiertes Mohair. Die Augen kommen aus Lauscha, sie sind für mich die besten. Meine Bären werden mit Schafwolle gefüllt, zum Beschweren verwende ich verschiedene Granulate, denn ich mag gerne Bären mit etwas Gewicht, sie müssen gut in der Hand liegen.

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

  Haben Sie einen absoluten Lieblingsteddy? Falls ja, warum gerade diesen?
Sicherlich gibt es immer wieder Bären, die für mich etwas besonderes sind, mir am Herzen liegen und es fällt mir auch heute noch schwer, wenn sie dann in die weite Welt ziehen. Denn manchmal verbinde ich etwas mit dem Bären: eine Stimmung, eine Lebenssituation, es ist ganz unterschiedlich. Der einzige Bär, den ich nicht verkaufen werde, ist Franklyn. Franklyn wurde TITA nominiert und reiste für die Wahl einige Monate nach Tokio. Er sitzt in einer Vitrine, umgeben von meinen gewonnenen Pokalen. Ich bin sehr kritisch mit meinen Arbeiten, aber Franklyn ist wirklich sehr gut gelungen.

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Teddys? Was inspiriert Sie?
Oft reicht schon das Stück Mohair, das ich sehe, aus und ich weiß, was für eine Art Bär daraus entstehen wird. Oder ich sehe Fotos in Fachzeitschriften oder im unendlichen www, die mich ansprechen und mich inspirieren. Hierbei lege ich allerdings größten Wert darauf, dass mein eigener Bär entsteht.

Was sind Ihre persönlichen Stärken?
Ich probiere gern neue Sachen aus, sei es ein neuer Schnitt oder ein neuer Mohairstoff. Ich habe Geduld und bin sehr selbstkritisch, eigentlich nie so ganz zufrieden mit der fertigen Arbeit und das bringt mich dazu, immer weiterzumachen.

Sammeln Sie auch Teddys anderer Künstler bzw. bestimmter Firmen?
Ich besitze eine recht stattliche Sammlung von Künstlerbären, meistens Bären, die mir auf irgendeiner Ausstellung direkt ins Auge und zugleich ins Herz sprangen. Es gibt Bären von Doris Minuth, Petra Vadorf, Balu-Bären, Bären von Susanne Täubner, Pinselbären, Pekelbären um nur einige zu nennen. Sehr selten kaufe ich Bären übers Internet und wenn, dann nur von Künstlern, die ich gut kenne und wo ich weiß, dass die Bären gut verarbeitet sind. Denn auch wenn die Fotos gut sind, ist es kein Garant dafür, dass sie auch ordentlich gearbeitet sind.

Porträt Marion Krauskopf - Majon Bär

  Bevorzugen Sie traditionelle Teddys oder eher witzige und ausgefallene Exemplare?
Ich mag beide Kategorien, es kommt einzig und alleine auf die Ausstrahlung des Bären an.

Was war bisher Ihr größter und kleinster Teddy, den Sie genäht haben?
Der Größte war 49 cm, der Kleinste 15 cm.

Was ist für Sie das Schönste am Bärenmachen?
Beim Bärenmachen lebe ich in meiner eigenen Welt und ich kann fast alles um mich herum vergessen. Und das ist letztendlich Entspannung pur.

Nehmen Sie regelmäßig an Messen, Börsen, Wettbewerben teil?
In diesem Jahr nicht, für die kommenden Jahre sind Messetermine und Wettbewerbe geplant.

Haben Sie bereits einen Preis gewonnen?
Ja, so einige, auf meiner Homepage (www.majonbaer.de) gibt es diesbezüglich eine Rubrik.

Haben Sie einen ganz persönlichen Traum in Bezug auf das Bärenmachen?
Keinen Wunschtraum, aber ein Ziel. Ich möchte meine Arbeit wieder erweitern und erneut in der internationalen Bärenwelt Fuß fassen.

Was möchten Sie anderen Bärenmachern / Bärenfans mit auf den Weg geben?
Es ist wichtig, seinen eigenen Stil zu entwickeln und die eigene Handschrift muss erkennbar sein. Was ich noch für sehr wichtig halte: man muss berechtigte Kritik annehmen können, denn nur daraus kann man lernen und sich und seine Arbeit verbessern.

Viele Grüße von Marion Krauskopf
www.majonbaer.de


Bildnachweis / Copyright: Marion Krauskopf



 
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