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Bärenmacher(in) des Monats Oktober 2011:

Claudia Fuchs und die Federbärchen


Bitte stellen Sie sich und Ihre Bären mit eigenen Worten vor.
Mein Name ist Claudia Fuchs, ich bin 1973 geboren und lebe in München. Beruflich bin ich als Bankkauffrau tätig. In meiner Freizeit lese ich sehr gerne, vor allem historische Romane und englische Handarbeitskrimis. Alles, was mit Handarbeit und Kreativ sein zu tun hat, fasziniert mich: filzen, nähen, stricken und häkeln machen mir großen Spaß.

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen
  Aber das Bärenmachen ist und bleibt mein allergrößtes und liebstes Hobby: an jedem Tag, an dem ich keine Nähnadel in der Hand halte, fühle ich mich, als hätte ich etwas Wichtiges verpasst. Meine Teddys, Elefanten, Hasen … werden liebevoll mit der Hand genäht und fertig gestellt. Sie sind alle unbekleidet, denn für mich sollen die Felle besonders zur Geltung kommen. Eine Schleife, ein Glöckchen oder ein Anhänger gehören aber auf jeden Fall zum Outfit! Der Name Federbärchen setzt sich aus meinen zwei „großen Lieben“ - meinen beiden Wellensittichen und den Teddys - zusammen. Leider haben mich meine Piepmätze viel zu früh verlassen. Deshalb freue ich mich, dass sie zumindest im Namen meiner Bären weiterleben können.

Wann haben Sie mit dem Bärenmachen begonnen und was war der Anlass?
Meine Bärenmacherleidenschaft fing im Herbst 1994 an, nach dem Abitur und zu Beginn meiner Ausbildung. Ich wollte in meiner Freizeit etwas Kreatives tun und durchforstete das Programm der Volkshochschule. Bei dem Kurs „Bärenmachen“ blieb mein Blick und mein Herz hängen - schnell angemeldet, noch einen Platz bekommen und los ging es. Wir fertigten die Bären ausschließlich aus alten Pelzmänteln. Das Nähen war hart und die Finger nicht nur einmal blutig. Nach dem Kurs war ich vom Bärenvirus infiziert und habe mich langsam an die Bärenszene herangetastet.

Zeitungen wurden gekauft und verschlungen, nach und nach kam auch das Internet dazu. Anfangs habe ich noch mit Plüsch genäht, bis ich das erste Mal ein Stück Mohair in den Händen hielt und verarbeiten durfte! Ein traumhaftes Gefühl, ich hatte „mein“ Material gefunden!

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen
  Können Sie sich noch an Ihren ersten, selbst genähten Teddy erinnern?
Er hieß Ludwig und stammte aus dem oben genannten Volkshochschulkurs. Er war aus ganz zartem beigen Echtfell und ca. 25 cm groß! Ich muss gestehen, dass er nicht mehr bei mir wohnt. Mit zunehmender Erfahrung im Bärenmachen hat mir die damalige Verarbeitung irgendwann nicht mehr gefallen und so musste er auswandern. Aber ich denke oft an ihn, denn mit Ludwig hat das Bärenmachen ja schließlich angefangen!

Wieviele eigene Schnitte haben Sie schon ungefähr entworfen?
Ich habe sehr lange nach Fremdschnitten gearbeitet, an das selber Entwerfen habe ich keine großen Gedanken verloren. Nach einem Schnitt-Kurs bei Hanna-Bären im Frühjahr 2006 sprang bei mir aber der Funke über und ich habe ein Gefühl für Proportionen, Gestaltung und Variationsmöglichkeiten erhalten. Ich sehe diesen Kurs heute noch als „Geburtsstunde der Federbärchen“! Seitdem arbeite ich ausschließlich nach eigenen Schnitten. Aus keinem Schnittmuster entstehen mehr als zwei oder drei Federtiere, dann möchte ich etwas Neues ausprobieren. Zählen kann ich die eigenen Schnitte nicht mehr, zumal ich immer noch darauf warte, dass DER Federbärchenschnitt zu Papier gebracht wird, mit dem ich voll und ganz zufrieden bin!

Mit welchen Größen und Materialien arbeiten Sie am liebsten?
Am allerliebsten verarbeite ich Alpaka, Mohair und Longpile-Stöffchen. Für Pfoten, Tatzen und Ohren gefällt mir das weiche Cashmere sehr gut! Gerade bei meinen Federhasen greife ich gerne auch mal zur Filznadel, um im Gesicht ein paar Akzente, z.B. Pausbäckchen, zu setzen. Da ich zugegebenermaßen „stopffaul“ bin, haben sich meine Bärengrößen zwischen 10 und 15 cm eingependelt.

Haben Sie einen absoluten Lieblingsteddy? Falls ja, warum gerade diesen?
Im Mai diesen Jahres kam im Münchener Tierpark Hellabrunn ein Elefantenbaby namens Ludwig zur Welt. In diesen Knirps habe ich mich total verliebt und

daraufhin einen neuen Federfantenschnitt gezeichnet. Entstanden ist die rosafarbene Babette, die natürlich keinen Anspruch auf einen naturgetreuen Elefanten erhebt. Aber mit ihrem kurzen Rüssel und den dünnen Beinchen hat sie, als sie fertig vor mir saß, mein Herz berührt und ich würde sie um nichts in der Welt hergeben. Sie bekommt gerade einen hellgrünen Federfantenbruder!

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen
  Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Tiere? Was inspiriert Sie?
Seit einigen Jahren sammle ich Kinderbücher mit ansprechenden Geschichten und Zeichnungen. Als Kind schon habe ich Bilderbücher geliebt, aber eigentlich kann ich erst jetzt als Erwachsene schätzen, wie viel Arbeit und Liebe in den Darstellungen steckt. Die Tiere, die darin abgebildet sind, geben mir oft Ansporn für ein neues Federtier. Ansonsten kommen mir beim Bummel über den Flohmarkt bei bestimmten Mohairfellchen oder bei Deko-Artikeln Ideen für einen Schnitt.

Was sind Ihre persönlichen Stärken?
Ich bin ein Perfektionist und selten mit meinen Bären 100 Prozent zufrieden. Nicht aufgeben, heißt da oft die Devise. Ich bin offen und kann gut mit anderen Menschen umgehen, das macht mir große Freude!

Sammeln Sie auch Teddys anderer Künstler bzw. bestimmter Firmen?
Ja, sehr gerne sogar! Es gibt einige Bärenmacherinnen, die mit ihren Kunstwerken genau meinen Geschmack treffen! Wenn mir beim Bummeln über eine Ausstellung ein Teddy in die Augen schaut und es mir beim Gedanken, dass ihn ein anderer vor mir kaufen könnte, das Herz zerreißt, weiß ich, das ist Liebe auf den ersten Blick! Sofern es die finanziellen Möglichkeiten und der Platz zu Hause zulassen, darf dieses Bärchen mit und bekommt einen Ehrenplatz bei mir daheim. Ich freue mich immer, wenn ich diese Bären anschaue, da habe ich noch keinen Kauf bereut!

Bevorzugen Sie traditionelle Teddys oder eher witzige und ausgefallene Exemplare?
Den „typischen“ Federbären gibt es (noch) nicht, ich habe keinen festen Stil. Mal gefällt mir ein klassischer Bär, dann dürfen es auch wieder Teddys mit großen Füßen, dicken Bäuchen und kurzen Ärmchen sein.

Was war bisher Ihr größter und kleinster Teddy, den Sie gefertigt haben?
Mein kleinster Bär war eine Bärionette als Zubehör für einen größeren Bären mit stolzen 5 cm. Die größten Bären habe ich in meiner Anfangszeit mit 50 cm gemacht.

Was ist für Sie das Schönste am Bärenmachen?
Der schönste Moment beim Bärenmachen ist für mich, wenn das fertig gestopfte Köpfchen in meiner Hand liegt und ich anfange, die Augenhöhlen zu skulptieren.

Damit bekommt der Kopf seine erste Form und durch die Positionsaugen stehen sich Bär und Federmama zum ersten Mal Auge in Auge gegenüber! Die Ohren werden probegesteckt, die Nasenform festgelegt und mein Teddy bekommt eine Seele und Leben eingehaucht!

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen

Porträt Claudia Fuchs, Federbärchen
  Für meinen Internet-Blog bekommt jeder Bär seine eigene kleine Geschichte. Das Schreiben dieser Kurzgeschichten und das Erstellen der Fotos dazu ist das Zweitschönste für mich am Bärenmachen!

Nehmen Sie regelmäßig an Messen, Börsen, Wettbewerben teil?
In den letzten zwei Jahren habe ich an drei kleinen regionalen Bärenausstellungen teilgenommen. Mein Traum ist es, auch einmal an einer großen, internationalen Bärenbörse teilzunehmen. Mit meinem Federhasen „Mosi“ habe ich dieses Jahr zum ersten Mal am Wettbewerb „Gläserner Teddybär“ von KuscheltierNews teilgenommen, das hat mir großen Spaß gemacht. Wiederholung nicht ausgeschlossen.

Haben Sie bereits einen Preis gewonnen?
Nein, die Federbärchen haben keinen Preis gewonnen.

Haben Sie einen ganz persönlichen Traum in Bezug auf das Bärenmachen?
Ja, genauer gesagt sind es zwei: Ich wünsche mir schon ganz lange eine eigene Federbärchen-Homepage. Ich bin gerade dabei, sie zu entwerfen und zu erstellen!

Mein großer Wunsch: Wenn Geld keine Rolle spielen würde, würde ich gerne auf dem Land ein eigenes Bären-Café eröffnen, mit einer Kaffee-und Kuchenecke, viel Platz zum Nähen und Gestalten, Materialverkauf und Bärennähkursen! In meinem Kopf ist alles fertig eingerichtet! Auch wenn sich dieser Traum vermutlich nie erfüllen wird, freue ich mich, dass es ihn gibt!

Was möchten Sie anderen Bärenmachern / Bärenfans mit auf den Weg geben?
Das Bärenmachen ist in meinen Augen eines der schönsten Hobbys der Welt! Jeder Bär sollte mit ganz viel Liebe, Sorgfalt und aus gutem Material gefertigt sein. Wenn es im Bärenmacher-Herz einen Stich gibt, wenn der Teddy ein neues Zuhause bekommt, hat der Bärenmacher seinem Fellfreund genügend von seiner Liebe und Seele mitgegeben!

Über einen Besuch auf dem Federbärchen-Blog würden wir uns sehr freuen!
Claudia Fuchs und die Federbärchen
www.federbaerchen.blogspot.com

Bildnachweis / Copyright: Jasmin Brade

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