Kuscheltier News Weihnachtskalender 21. Dezember 2006






 
Eine Weihnachts-Geschichte   (Fortsetzung vom 20. Dezember)

Der Mann hatte sich mitsamt Beutel in Bewegung gesetzt, aber Jonas konnte nichts mehr sehen. Um ihn herum war ein Gewirr aus menschlichen Stimmen und Geräuschen, und der kleine Bär machte sich vor Aufregung ganz klein. Er wünschte sich wieder bei den anderen Kuscheltieren im Regal zu sitzen und dem Treiben der Menschen zuschauen zu können. Die Zeit erschien ihm wie eine Ewigkeit, und schließlich fielen ihm bei dem ständigen Schaukeln des Beutels die Äuglein zu und er fiel in einen unruhigen Schlaf.

Nach einer Weile wurden die Geräusche um ihn herum leiser, der Mann schien an seinem Ziel angekommen zu sein. Es war ganz still, niemand sonst war dort. Der Mann zog seinen Mantel aus, ging mit dem Beutel in ein gemütlich warmes Zimmer und setzte Jonas auf einen Tisch. Der kleine Bär schaute sich neugierig um, und was er da sah, gefiel ihm sehr. Sein erster Blick fiel auf ein großes Sofa mit hübsch bezogenen Kissen. Daneben stand ein Holzschrank mit vielen, vielen Büchern .... Jonas hätte sich gern noch mehr umgesehen, aber der junge Mann hatte inzwischen allerlei Dinge ins Zimmer geholt und ehe der Bär wusste, wie ihm geschah, hatte ihn der Mann in einen kleinen Karton gepackt. Wieder wurde es dunkel um Jonas, der Karton wurde hin und her gedreht und er hörte ganz leise das Rascheln von Papier und das Klappern einer Schere. Und dann blieb der Karton schließlich liegen, und Jonas hörte gar nichts mehr. Er klammerte sich an das weiche Plüschherz zwischen seinen Pfoten, und war bald darauf wieder eingeschlafen. Schließlich hatte ihn die Aufregung des Tages sehr erschöpft.

Jonas wusste nicht, wie lange er schon in diesem Karton steckte, er konnte nicht zwischen Tag und Nacht unterscheiden und er wartete immer ungeduldiger auf die Dinge, die auf ihn zukommen würden. Es konnte doch nicht sein, dass er den Rest seines Teddylebens in diesem dunklen, engen Karton verbringen musste.

Nach einer Ewigkeit von mehreren Tagen wurde Jonas durch ein Poltern und Rumpeln aus seinem Halbschlaf gerissen. Jemand war an seinen Karton gestoßen, er hörte festliche Musik und das zarte Kingen von kleinen Glöckchen. Er hörte die Stimme des jungen Mannes - und eine zweite Stimme, die ihm irgendwie bekannt vorkam. Endlich setzte sich der Karton wieder in Bewegung, Jonas hörte wieder das Rascheln von Papier und das Klappern einer Schere, der Karton wurde ringsum gedreht, so dass Jonas zeitweilig auf dem Kopf stand und schließlich hob sich der Deckel des Kartons und Jonas konnte endlich wieder frische Luft schnappen und seine Beinchen ausstrecken. Zwei zarte Hände legten sich um ihn, hoben ihn aus dem Karton heraus und setzten ihn auf den Tisch. Dort saß eine junge Frau in einem festlichen Kleid, die ihn glücklich anlächelte und sein weiches Fell streichelte. "Gefällt er dir, Liebling?", fragte der junge Mann unsicher. Die Frau musste nicht lange überlegen, denn sie liebte Teddybären über alles. "Er ist wunderschön", sagte sie und bedankte sich mit einem liebevollen Kuss. Jonas sah den beiden Menschen zu, und zwischen den Pfoten hielt er noch immer das rote Plüschherz, auf dem "Ich liebe Dich" geschrieben stand.

Jonas hatte nun endlich die Gelegenheit, sich ein wenig umzusehen. Oh, das Zimmer sah ganz anders aus als an jenem Abend. In der Mitte des Raumes stand nun ein festlich geschmückter Baum mit allerlei glitzernden und glänzenden Kugeln. Ein köstlicher Duft stieg ihm in die Nase und er hörte leise, schöne Musik. Die junge Frau wandte sich ihm wieder zu, sie nahm ihn in die Hände und drückte und herzte ihn behutsam. "Du bist ein ganz süßer Kleiner, ich glaube ich habe ein schönes Plätzchen für dich". Mit diesen Worten ging sie ein paar Schritte und setzte ihn auf ein Regal auf der anderen Seite des Zimmers, welches Jonas vorher noch gar nicht gesehen hatte. Er staunte nicht schlecht, denn er war plötzlich umringt von anderen Teddybären, die ihn neugierig betrachteten und freundlich in ihre Mitte nahmen. Jonas schaute um sich, und plötzlich entdeckte er einen stattlichen Teddy, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte und der ihn nun verschmitzt anlächelte. "Bruno", sprudelte es aus Jonas heraus und er fiel seinem Freund glücklich in die Arme. Die beiden weinten vor lauter Wiedersehensfreude dicke Bärentränen und konnten kaum etwas sagen, so glücklich waren sie.

Die Stunden vergingen, die Menschen waren längst schlafen gegangen, und nur der Mond tauchte das Zimmer in ein sanftes Licht. Dicke Schneeflocken schwebten gemächlich herab, und verwandelten alles in eine traumhaft schöne Winterlandschaft. Die beiden Freunde Jonas und Bruno lehnten Schulter an Schulter, und träumten gemeinsam süße Bärenträume.

Geschichte zum Lesen ausdrucken (PDF)

Copyright Andrea Weigel (2006)


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