Kuscheltier News Weihnachtskalender 20. Dezember 2006






 
Eine Weihnachts-Geschichte

Es war bereits spät am Nachmittag, und im großen Kaufhaus am Gehringplatz herrschte geschäftiges Treiben. Die Menschen liefen kreuz und quer, und rempelten einander im Vorbeigehen zuweilen an. Einige hasteten an den Auslagen vorbei, während andere stehen geblieben waren, um nach Geschenken zu suchen. Schließlich war schon der 20. Dezember.

Der kleine Teddy Jonas sah dem Treiben der Menschen zu. Das hatte er die ganze Zeit über schon getan, seit eine Frau ihn mit vielen anderen Teddybären zusammen aus einer großen Kiste geholt und ins Spielwarenregal gesetzt hatte. Da saß er nun, der kleine Jonas und er langweilte sich sehr. Verliebte Paare schlenderten Hand in Hand an ihm vorüber, Mütter zogen quengelnde Kinder hinter sich her. Jonas vermisste seinen Freund Bruno, einen stattlichen Teddy, der im Regal direkt neben ihm gesessen hatte. Vor zwei Tagen jedoch war eine junge Frau schnurstracks auf die beiden Freunde zugelaufen, hatte Bruno von allen Seiten betrachtet und hatte ihn schließlich mitgenommen. Jonas wusste nicht, was mit Bruno passiert war, genauso wenig wie er wusste, wo all die anderen Kuscheltiere nun waren, welche die Menschen geholt hatten.

Jonas war nur ein kleiner Teddy. Er hatte dunkelbraunes, ganz weiches Fell und vor-
witzige schwarze Knopfaugen. Zwischen den Pfoten hielt er ein Herz aus dunkelrotem Samt, in das weiße Buchstaben gestickt waren. Jonas wusste nicht, was sie bedeuteten, aber das war ihm auch ziemlich egal. Viel lieber hätte er doch gewusst, wo Bruno steckte. Plötzlich erregte ein junger Mann Jonas' Aufmerksamkeit, der etwas unsicher in der Spielzeugabteilung stand und sich suchend nach allen Seiten umschaute. Er drehte sich langsam auf der Stelle, und plötzlich blieb sein Blick an Jonas hängen. Er kam ein paar Schritte näher, bis der kleine Teddy direkt vor ihm saß. Die Augen des Mannes fingen an zu leuchten, und seine Lippen verformten sich zu einem zufriedenen Lächeln. "Du bist genau das, was ich suche", murmelte er erleichtert. Zielstrebig griff er nach Jonas, setzte ihn in einen viereckigen Metallkorb und trug ihn fort. Die anderen Kuscheltiere im Regal wurden kleiner und kleiner, bis sie schließlich ganz aus Jonas' Augen verschwunden waren.

Der junge Mann blieb bei einer großen Menschenansammlung stehen, die sich alle in eine Reihe gestellt hatten und sich mehr oder weniger geduldig an einen großen Tisch heranbewegten. Schließlich war auch der junge Mann dort angelangt. Er reichte Jonas der Frau, die hinter dem Tisch stand, bevor er eine kleine Ledertasche aus seinem Mantel holte, sie öffnete und kleine, runde Metallscheiben auf den Tisch legte. Die Frau hinter dem Tisch nahm sich diese komischen Metallscheiben, um sie in eine schwere Schatulle mit vielen anderen Metallscheiben zu legen und dem jungen Mann einige andere dafür reichte. Jonas verstand nicht, was die Menschen da machten, und er kam auch nicht mehr dazu, noch länger über die Sache nachzudenken, denn plötzlich steckte ihn die Frau in einen bunt bedruckten Beutel und es wurde ganz dunkel um Jonas.

Fortsetzung der Geschichte am 21. Dezember

Copyright Andrea Weigel (2006)

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