Bärendoktoren erleben hin und wieder besonders rührende Geschichten. Barbara hat uns hierzu folgendes erzählt:
"Eine ältere Dame kam zu meinem Stand und zeigte mir ein altes Schwarz-Weiß Foto, auf dem sie als kleines Kind zusammen mit ihrem Lieblings-Teddy zu sehen war.
Sie fragte, ob ich einen solchen Teddy anbieten könne, denn sie suche schon lange ihren Teddy aus Kindertagen, der ihr wohl im Krieg abhanden gekommen war.
Leider hatte ich nichts passendes, ich bot ihr jedoch an, danach zu suchen. Ich fand dann auf einem Flohmarkt ein ganz ähnliches Modell, das leider gar nicht mehr gut erhalten war.
Ich nahm ihn mit nach Hause und habe ihn gereinigt, die Gelenke und die ganz zersetzte Holz- wollfüllung erneuert und alle Schönheitsreparaturen erledigt. Nur das abgeliebte Fell habe ich nicht ersetzt. Dankbar sah er mich an. Beim nächsten Antikmarkt zeigte ich ihn der Dame - und sie schloss ihn direkt in ihr Herz.
Das war "ihr" Teddy: er sah dem Bären auf dem Foto sehr ähnlich und sie freute sich, dass der alte Charakter erhalten geblieben war. Schließlich darf ein Bär, der schon viel erlebt hat, nicht wie ganz neu aussehen."
Die Liebe zum Teddy
Barbara ist mit Leib und Seele Bärendoktorin, und würde am liebsten alle Teddys retten.
Egal ob sie nur verschmutzt sind, Arme oder Beine fehlen oder die Füllung nicht mehr gar so fest ist. Irgendwann wurde so ein Teddy doch mit viel Liebe gekauft, um jemandem Freude zu bereiten.
Für viele Besitzer stehe vor allem der ideelle Wert im Vordergrund, denn sie verbinden oft sehr persönliche Erinnerungen mit ihrem Teddy. In wenigen Fällen könne es bei der Restauration eines Teddys auch um eine tatsächliche Wertsteigerung gehen.
Dabei sei es wichtig, nur originalgetreue Materialien zu verwenden und mit der Historie von Teddybären vertraut zu sein.
links: Barbaras erster, offizieller Patient / rechts: ein "Diem"-Bär vor und nach der Reparatur
Für Barbara ist es bei ihrer Arbeit das Wichtigste, dass der Kunde zufrieden ist.
"Als Bärendoktor lege ich Wert darauf, dass der Besitzer seinen Teddy nach dem -möglichst kurzen- Aufenthalt in meiner Teddyklinik auch wiedererkennt.
Ich möchte den Charakter des Teddys erhalten, wenn nötig wiederherstellen aber den Teddy nicht neu oder umgestalten. Ein "Diem"-Bär soll nach der Behandlung nicht mit einer "Hermann"-Nase herumlaufen müssen! Manchmal liegt den Bären- eltern viel daran, dass bestimmte Merkmale, die man reparieren könnte, erhalten bleiben, z. B. Tatzen, die von der Mutter fein gestopft wurden oder Pfoten- ersatzstoffe, die noch von der Oma stammen. Mir ist es wichtig, diese Wünsche zu respektieren, denn manchmal sind ganz bestimmte persönliche Erinnerungen damit verbunden. Deshalb bespreche ich jede Reparatur ganz genau mit dem Kunden - und freue mich über die oft interessanten Lebensläufe der Teddys."
Der schwierigste Patient
Barbaras schwierigster Patient war kein Teddybär, sondern ausgerechnet ein Golliwog-Puppenjunge, den eine Kundin als Kind von ihrem Großvater geschenkt bekommen hatte:
"Der braune Filz war schon ganz hell geworden, und der
"Kleidungsstoff" war ganz brüchig und rissig. Als Jugendliche hatte die Mutter ihm eine Jeanslatzhose angezogen, aber auch die war mittlerweile schon ganz zerschlissen und fleckig. Ich habe Golliwog-Puppen vorher gar nicht gekannt und erst zu dem Zeitpunkt erfahren, wie beliebt diese früher als Spielzeug waren. Nachdem ich möglichst originalgetreue Stoffe für die
Kleidung besorgt hatte, habe ich das komplette Kerlchen von Kopf bis Fuß neu "bezogen". Die beim Original vorhandenen Hosenträger wurden bewußt nicht erneuert. Und so hat die Golliwog-Mama ihren Liebling genauso wieder bekommen, wie sie ihn als Kind kannte."
Die Bärenmacherin
Ende 2005 machte Barbara ihr Hobby zum Beruf, und ist seitdem Teddybären- händlerin sowie Bärendoktorin.
Aber auch eigene Kreationen entstehen unter ihren Händen. Nach den ersten erfolgreichen Versuchen mit fremden Schnitten
begann sie, Änderungen an den Schnittmustern vorzunehmen. Wenig später entwarf Barbara eigene Schnittmuster. Sie suchte die Materialen selbst aus und verwirklichte ihre eigenen Ideen.
Auch hier orientiert sie sich jedoch an den klassischen Vorbildern. Selbst wenn das Fell manchmal ungewöhnlich ist (z.B. gebatikt), muss der Teddy immer als klassischer erkennbar sein.
Eigene Entwürfe von links nach rechts: Amadeus, Brandy und Claire
Wir danken Barbara Wahnemühl für die nette Zusammenarbeit, und wünschen weiterhin viel Erfolg und Freude bei der Arbeit.