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Eine Bärendoktorin erzählt   Teil 1 (Brigitte Paul)

So mancher Teddy muss sich im Laufe seines Lebens in "ärztliche Behandlung" begeben, d.h. er muss sich auf den Weg zu einem Bärendoktor machen, um hoffentlich "geheilt" zu seinem Besitzer zurückkehren zu können. Wie aber kommt eigentlich ein Bärendoktor zu seinem "Beruf"? Was macht ihm bei der Arbeit besondere Freude und was ist besonders schwierig? Welche rührende Geschichten kann ein Bärendoktor mitunter erleben?

Kuscheltier News hat der Bärendoktorin Brigitte Paul aus Mönchengladbach so manche Frage gestellt, und viele interessante Antworten bekommen.


 
Ein neues Gesicht für den Teddy. Der Patient im Vorher-Nachher-Vergleich.


Zunächst wollten wir wissen, wie Brigitte zu ihrem ersten Patienten kam:
"Ich stand schon mehrere Jahre auf einen kleinen Weihnachtsmarkt bei Krefeld,
als eine junge Mutter mit Baby an meinen Stand kam und fragte, ob ich ihr einen
Bären reparieren kann. Das habe ich verneint, weil ich das noch nie gemacht hatte
und es mir auch nicht zutraute. Aber sie war so beharrlich und meinte, wenn ich
so schöne Bären machen könnte, dann könnte ich das sicher auch. Sie wollte
ihrem Baby den Bären zum 1. Weihnachtsfest schenken, weil sie ihn auch zu ihrem
1. Weihnachtsfest bekommen hatte. Die Pfotenbeläge wären so kaputt, dass er
sein "Innenleben" verliert. Alles Wehren half nicht, am 2. Tag brachte sie den
Bären. Ich habe ihn sehr schön repariert, allerdings habe ich mir viel mehr Arbeit
damit gemacht, als wie man es eigentlich macht. Zum guten Schluss waren alle
zufrieden, Mama, Baby und ich. Von da an traute ich mich nach und nach an
kleinere Reparaturen heran."


 
Auch die fachmännische Reinigung (Aufplüschen) eines kleinen Dreckspatzen gehört manchmal zu den Aufgaben
des Bärendoktors.


Jeder neue Patient stellt eine neue fachliche Herausforderung dar. Doch manchmal ist die "Behandlung" selbst weniger tragisch als die vorüber-gehende Trennung des Kuscheltieres von seinem Besitzer. Auch davon weiß Brigitte zu berichten:
"Ein ca. 5 jähriges Mädchen brachte einen Nickiteddy, wie ihn Babys oft haben. Der Kopf war noch gut, aber der Körper, der aus einem bunten Nickianzug bestand, war hauchdünn und durchsichtig. Die Kleine weinte schon, als ich den Teddy nur untersuchte und der Vater wollte sie überreden, ihn mir zu überlassen. Wir haben letztendlich vereinbart, dass der Teddy zu mir ins Teddykrankenhaus fährt, wenn die Familie in Urlaub fährt. Der Teddy würde dann bei ihrer Rückkehr wieder zu Hause bei der Oma sein. Das musste ich hoch und heilig versprechen, und so haben wir es dann auch gemacht. Ich bekam später noch eine "Dankes-
karte", auf der sich die kleine Bärenmama bei mir ganz lieb bedankte!!!"


 
Aus einem scheinbar hoffnungslosen Dachboden-
fund kann ein charmanter,
alter Teddy werden.


Bei besonders schweren "Verletzungen" oder einem besonders alten Teddys hilft manchmal nur eine Totaloperation, die das ganze Können
des Bärendoktors erfordert. Wir haben Brigitte gefragt, was bisher ihr schwerster Fall war, und sie erzählte uns gleich mehrere Geschichten:

"Einmal wurde mir ein Teddy von einem älteren Herrn gebracht. Der Mann erzählte mir, dass er als Kind den Teddy bei der Flucht aus Schlesien den ganzen Weg im Arm hatte. Unterwegs wollten Zigeuner ihnen den Teddy gegen Brot tauschen, und die Mutter hatte dies abgelehnt. Dabei liefen dem Mann die Tränen übers Gesicht, und mir lief es eiskalt den Rücken runter.

                

  In den 50er Jahren hatte dann die Mutter dieses Mannes den Teddy komplett mit einem pinkfarbenen Stoff bezogen, weil er anfing, auseinander zu fallen. Als ich den Bezug abtrennte, war das Ergebnis nicht erfreulich. Dann musste ich noch Bandagen lösen und der Zustand verschlechterte sich.

Wochenlang lag der Ärmste bei mir im Schrank und ich hatte keinen Mut anzufangen. Aber jetzt ist es endlich geschafft. Der Teddy hat überhaupt keinen materiellen Wert, aber den ideellen Wert kann niemand schätzen!!!



Ein anderes Mal habe ich einen ca. 20 Jahre alten Steiff Zotty repariert. Das ist für einen Steiffbären ein sehr junges Alter, aber er war so abgeliebt wie ein 100 jähriger. Ein Flicken war über den nächsten genäht. Ich musste ihm einen komplett neuen Körper, neue Arme und neue Beine machen, und von dem Kopf blieb nur der Schnauzenbereich übrig (der aber einen hohen Wiedererkennungswert hat). Als der Teddy abgeholt wurde, saßen viel reparierte Bären auf meinem Tisch und warteten auf ihre Besitzer. Doch die junge Frau hat ihn aus der Menge der Bären sofort wiedererkannt. Mir fiel ein Stein vom Herzen."

       


Nachdem wir von Brigitte schon sehr viel erfahren hatten, wollten wir noch wissen, was ihr bei ihrer Arbeit als Bärendoktorin besonders wichtig ist:
"Dass der Charakter des Bären erhalten bleibt und dass die Besitzer sich immer sehr freuen, wenn sie ihren Bären zurück bekommen!! Ich freue mich besonders darüber, wenn ein Bär nach der Reparatur abgeholt wird und die Besitzer strahlen beim Anblick ihres Begleiters aus Kindertagen."

Und wie läuft eine "Behandlung" im allgemeinen ab?
"Wenn ich auf einer Bärenbörse bin, kann ich kleine Reparaturen vor Ort machen, z. B. neue Augen einziehen oder die Stimme erneuern. Alles andere muss ich mit nach Hause nehmen. Ich mache einen Festpreis aus und wenn der Bär fertig ist, rufe ich an und schicke dann den Bären mit der Post zu."

  Wenn Brigitte nicht gerade einen kleinen Plüsch-
kameraden verarztet, fertigt sie wunderschöne Künstlerbären.

Weitere Details zu den Bären und zur Kontakt-
aufnahme finden Sie auf Brigitte's Website:

www.bripabaeren.de

Kuscheltier News dankt Brigitte Paul für die nette
Zusammenarbeit und freundliche Unterstützung. Wir wünschen weiterhin viel Spaß und Erfolg bei den "ärztlichen Behandlungen".